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1. BITBURGER 0,0% TRIATHLON- BUNDESLIGA 

 

23 Juli 2019

– Allgemeines
Was war denn da los? Top motiviert und gut gelaunt startete ich am Wochenende mit meinem Bundesligateam aus Weimar in das dritte von vier Rennen der Ligaserie. Den 12. Platz im Gesamtklassement wollten wir mit guten individuellen Ergebnissen bestätigen. Und dann das! 

photocredit: Triathlonverein Dresden | Martin Schroschk

Nach dem 59. Platz in meinem Bundesligadebüt in Düsseldorf vor ca. vier Wochen, wollte ich beim Mey Generalbautriathlon in Tübingen mehr zeigen. Im Training stieg das Formbarometer stetig an, sodass ich sehr optimistisch mit den Jungs gen Süden reiste. Die Triathlonbundesliga ist ein heißes und mittlerweile top organisiertes Pflaster mit stets vielen Zuschauern am Streckenrand. Die Nervosität vor diesen Sprintdistanzen lässt sich bei mir nie verstecken und etwas beeindruckt von der Konkurrenz bin ich zuweilen auch. Dann steht man da, neben den Raketen um Justus Nieschlag, Richard Murray und den deutschen „Youngguns“. Das obligatorische Line-Up erfolgt in unmittelbarer Startvorbereitung und dient zur Athletenvorstellung für die Zuschauer.
Ein erster kalter Schauer läuft mir über den Rücken und ich ringe mit meiner Lockerheit. Meine Teamkollegen und ich laufen unter dem Klatschen der Zuschauer zum Vorstartbereich. Treppen runter, rein ins Wasser und ein paar Meter den Neckar abwärts – schon sind wir an der Startlinie mitten im Neckar. Wir, fünf Triathleten des Teams Weimarer Ingenieure, müssen uns in einer drei Meter breiten Startbox neben den 76 Kontrahenten der anderen 16 Mannschaften einordnen. Die Musik heizt den Zuschauern und uns gehörig ein. Dann ertönt der Bitburg 0,0% Jingle und holt noch den letzten Unbeteiligten in die Szenerie. „On your Marks“ schreit der Kampfrichter und prompt fällt der Startschuss. Ich haue alles rein was ich habe und versuche mich, im Gegensatz zum Start in Düsseldorf, schon frühzeitig freizuschwimmen. Nach einigen Metern atme ich nach links – niemand zu sehen – und sofort nach rechts – zwei Jungs aus dem Triathlonteam Potsdam fallen mir auf. Der Plan scheint also zu funktionieren und die Wendeboje ist auch nicht mehr weit. Beim nächsten Atmen sehe ich links von mir den Verfolgerzug aus Buschhüttener Triathleten. Jetzt verengt sich alles auf die Wendeboje und mir wird schnell klar, dass ich in der Mitte nur noch wenig Chancen habe, der Prügelei aus dem Weg zu gehen. Das Feld überrollt mich schlichtweg! Auf dem Rückweg versuche ich mich zu sammeln, die Füße einiger vorbeiziehender Athleten zu erwischen und schlucke Wasser – viiiiel Wasser. Der Neckar schmeckt nicht! Das Ergebnis der ersten Disziplin sollte es auch nicht, wie sich später herausstellen wird. Ich schwimme auf den schmalen Schwimmausstieg zu, ziehe mich an der Treppe aus dem Wasser und sehe meinen Teamkollegen Ricardo Ammarell, der als guter Schwimmer bekannt ist. Für einen kurzen Moment denke ich, dass es vielleicht für eine gute Ausgangsposition gereicht hat und der gute Schwimmstart von Nutzen sein sollte. An meinem Rad angekommen, werfe ich meine Badekappe und Schwimmbrille in die Wechselbox, ziehe mir den Helm auf und renne mit dem Rad zur Aufsprunglinie. Direkt vor mir sehe ich einen weiteren Teamkollegen – John Heiland. In Düsseldorf lief er noch auf Platz 23 und sicherte sich damit eines seiner besten Ligaresultate. Für einen weiteren Moment denke ich, dass alles läuft. 

 

„Mir schwant Böses!“

Ich springe aufs Rad, versuche Schwung aufzunehmen und will direkt in meine Radschuhe schlüpfen. Ich schaue nach vorn und plötzlich steht ein anderer Athlet mit seinem Rad vor mir im Berg. Er bewegt sich nicht und so muss ich rollender Weise ausweichen und versuchen dabei in meine Schuhe zu kommen. Da ruft mir eine Zuschauerin zu, ich müsse die Fahrspur wechseln, weil ich mich auf der Laufstrecke befinden würde. Und tatsächlich stelle ich fest, dass mich das Ausweichmanöver auf die abgetrennte Laufstrecke beförderte. Also wieder absteigen, ich klettere unter dem Flatterband durch und steige auf der Radstrecke wieder auf mein Fahrrad. Ich investierte alles, um das Hinterrad  von meinen vorbeifahrenden Teamkollegen Ricardo Ammarell und Tom Gorges zu erwischen. Nach einem kurzen Antritt formieren wir uns und kämpfen um den Anschluss nach vorne. 2km später kommt uns eine riesige Gruppe an Athleten entgegen. Mir schwant Böses! 

photocredit: Triathlonverein Dresden | Martin Schroschk

Die entgegenkommenden Athleten werden mehr und wir erreichen als Vierergruppe den Wendepunkt. Meine beiden Teamkollegen und der Sportskollege der den Radaufstieg vergeigte schauen nicht sonderlich optimistisch und mir wird schnell klar warum. Hinter uns taucht ein Motorrad auf, ich schaue auf meinen Tacho: 46,3km/h, 387Watt, 2,8km gefahrene Strecke. Ich spüre den Wind, wie er mir von vorn ins Gesicht bläst. Ich höre das Motorrad im hinter mir, welches uns klar und deutlich zu verstehen gibt, dass wir uns wohl als Gruppetto der ersten Bundesliga formiert haben. Am Wendepunkt nach 5km sind wir nur noch zu dritt, der teamfremde Mitstreiter hat sich aus unserer Weimarer Phalanx verabschiedet. Er lässt uns die Suppe allein auslöffeln. Die Oberschenkel fangen an zu brennen, da der Einsatz hoch ist, um den Anschluss nicht zu verlieren. Doch die Gruppen vor uns sind einfach zu groß und scheinen gut zu laufen. Wir kommen der Konkurrenz nicht näher. Es fühlt sich beschissen an und die Beine brennen noch mehr! Unter mitleidigem Beifall erreichen wir nach einer halben Stunde und 21km Allout-Radfahrerei erneut die Wechselzone. Abgehängt und mit drohender Überrundung ziehe ich mir die Laufschuhe an und packe mich bei der Ehre. Ziehs durch, versuche noch vernünftig zu laufen und hole dir wenigstens einen aus der vorherigen Gruppe, sind die Gedanken die mir in diesem Moment durch den Kopf schießen. Der Parcours durch Tübingens Innenstadt hat es in sich. Kopfsteinpflaster und ein sehr profiliertes Gelände erheitern mich in diesem Moment keineswegs und ich versuche mich einzig und allein auf meinen Rhythmus zu konzentrieren. Ich schaue nicht mehr nach links oder rechts und ich höre auch nicht mehr, was mir zugerufen wird. Zu peinlich ist mir der Moment, völlig abgeschlagen dem Feld hinterherlaufen zu müssen. Dann taucht vor mir ein Athlet aus dem Berliner Triathlon Team auf und ich erkenne, dass ich wohl doch noch in den Genuss komme, wenigsten einmal an diesem Tag jemanden überholen zu dürfen. Trotzdem – Zufriedenheit fühlt sich anders an! Vielmehr leide ich mit ihm mit, während ich vorbeilaufe und mir das Ziel herbeisehne. Nur noch drei Runden!

photocredit: Deutsche Triathlon Union | Jörg Schüler

Die ersten überrunden mich und schon ist der kurze Erfolgsmoment im Keim erstickt. Doch am Ende bin ich froh, den blauen Teppich und den Zielbogen zu erreichen. Ich musste zuvor schließlich viermal direkt davor abbiegen, um die Schmach des Misserfolgs vollends aufzusaugen und die Laufstrecke komplett zu bewältigen. Freud und Leid liegen eben nah beieinander! Vor knapp 60min führte ich noch für einen kurzen Moment das Feld an, um schlussendlich doch auf Platz 73 ins Ziel zu kommen. Viele kleine unglückliche Momente und ein unerklärlicher Konditionsverlust auf 750m Schwimmen führten dazu, dass ich mich nach 1h02′ völlig enttäuscht auf dem Zielboden wiederfinde. Was macht man damit? 

Beim nächsten Mal gern besser!

 

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